Die Hullefraan sind los – Eieieieieieiei

Die Hulle was? So ging es mir bis vor ein paar Jahren auch. Da fahre ich seit fast 40 Jahren nach Süd-Thüringen und weiß erst seit 8 Jahren von diesem Brauch. Heute pünktlich zur Hullefraansnacht, sollt auch ihr vom Brauch erfahren, der der Sage nach Glück, Gesundheit und Fruchtbarkeit bringen soll! Die drei Schläge mit der Weidenrute, sind gleichzeitig auch ein abgewandeltes Ritual des keltischen Reinheitskultes und reinigen Körper und Seele.

Hullefraa auf Beutezug

Die Sage

Dieser germanische Brauch ist schon viele hundert Jahre alt und der Sage nach auf Frau Holle (sie war eine Gottheit bei den Germanen) und Wotan, dem Gott des Sturmes zurück zuführen. Sie sollten während der rauen Nächte (25.12. – 05.01), genauer am 2.01, über den Simmersberg geflogen sein und ihre Vasallen über Schnett heruntergelassen haben. Die Vasallen kamen in Gestalt von Hexen, Wilden und Jägern. Diese sollten den Einwohnern, des im Winter meist abgeschotteten Ort, durch drei Schläge mit der  3-teiligen Weidenrute eben Glück, Gesundheit und Fruchtbarkeit bringen.

Der Brauch – Hullefraan in Schnett

Am jedem 2.Januar eines Jahres brechen die Hullefraan mit Einbruch der Dunkelheit auf. Sie ziehen zuerst von Haus zu Haus und und bringen den Bewohnern mit ihren Schlägen Glück, Gesundheit und Fruchtbarkeit direkt frei Haus.  Die Hiebe bringen nicht nur Gutes für´s neue Jahr, sondern Treiben das schlechte vom vergangenen gleich noch mit aus. Im ganzen Dorf hört man es klingeln und peitschen, begleitet von einem furchteinflössenden Eieieieieiei.

die ersten Schläge mit der Gerte

meine ersten Schläge mit der Gerte

Am Ende des Rundgangs ziehen die Hullefraan nach und nach in den Saal des Hotel Frankenblick ein. Dort haben sich derweil Hausgäste, Dorfbewohner, Besucher oder Bewohner der umliegenden Gemeinden eingefunden, um sich eine gehörige Portion „Prügel“ abzuholen. Dies hat sich über die Jahre so eingebürgert. Mit dem Einzug der ersten Weiber wird es laut. Ein riesen Gaudi, ab und an ein wenig schmerzhaft, aber für die Gesundheit tut man bekanntlich so einiges.

Arbeitserleichterung für die Hullefraa

Arbeitserleichterung für die Hullefraa – vier auf einen Streich

Als erstes treten die „einfachen Hullefraan“ in den Saal, gehen von Tisch zu Tisch verteilen Hiebe und ihre Helfer kommen mit dem Klingelbeutel hintendrein. (Das geben von Münzen oder früher Naturalien gehört zum Brauchtum.) Zum Schluss kommen die imposante STRÖHERNE und die böse WILDE in den Saal.

Die Ströherne und die Wilde

Der Überlieferung nach steht die Stöherne für Fruchtbarkeit und soll in abgewandelter Form Frau Holle symbolisieren. Früher nahmen sich die Menschen z.B. ein wenig Stroh´, legten es in die Nester der Hühner und sicherten so die Eierproduktion für´s ganze Jahr. Noch heute ziehen sich viele ein wenig Stroh ab und sichern sich so ihr Glück. Wer ein wenig davon ins Portmonnaie steckt, wird finanziell abgesichert sein.

Die Wilde kommt fast gleichzeitig mit der Ströhernen. Sie verkörpert das Böse im Leben und ist daher auch schwarz gekleidet. Wotan in Hullefraangestalt sozusagen. Mit ihrem Auftreten wird ein jeder darauf hingewiesen, dass man immer auf der Hut sein, achtsam durchs Leben gehen sollte, damit einem das Böse nichts anhaben kann.

Wie wird man Hullefraa?

Hullefraa kann nicht jeder werden, so wenig wie der Brauch das Bergdorf verlassen hat so wenig dürfen Fremde Hullefraan werden. Voraussetzung ist in Schnett geboren bzw. aufgewachsen zu sein. Zugezogene werden nur nach eingänglicher Prüfung und vielen Jahren Ortsangehörigkeit zugelassen. Traditionell beginnt der Weg zur Hullefraa als Gertenträger in jungen Jahren bis man zur Hullefraa wird.

Ich habe das Ganze nun schon zweimal mitgemacht und würde es immer wieder tun! Ich liebe es wenn alte Traditionen aufrecht erhalten werden. Spaß macht es noch dazu und ein Besuch am Rennsteig und im Thüringerwald, im Winter mit Schnee ist auch nichts entgegen zu setzen!

In diesem Sinne Eieieieieieieiei

Eure Ulrike